Herzlich willkommen in der Evangelischen Kirchengemeinde Weiler-Eichelberg

© R. Schwenzfeger

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Pfingsten2020

Predigt an Pfingstsonntag von Pfarrerin Braun: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen

„Ihr werde die Kraft des Heiligen Geistes, des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein“ - diese Zusage bekamen die Jünger von dem Auferstandenen Jesus bei ihrem letzten Treffen mit ihm.
„Ihr seid, ihr bleibt nicht allein, Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen- und werdet meine Zeugen sein.“
Ich weiß ich nicht, was die Jünger damals dachten, als Jesus ihnen dies zusagte. Als Juden war ihnen zwar der Gedanke der Trinität Gottes fremd. Sie hätten nie unser Glaubensbekenntnis mitgesprochen, in dem es heißt, dass wir an Gott den Vater und Schöpfer, den Sohn und den heiligen Geist glauben. Aber dass es den Heiligen Geist gibt, das stand auch für sie außer Frage. Sie glaubten, dass der Heilige Geist eine Kraft ist, die von Gott ausgeht. Eine Kraft, die Leben schafft und erhält. Vermutlich hatten sie auch schon davon gehört, dass der unerforschliche Gott in einzelnen Menschen, wie z.B. in so manch einem der Propheten, als eine zum Guten aufrufende Kraft innewohnt. Ja sogar auf ganzen Gemeinden kann der Geist Gottes ruhen. Also warum nicht auch auf Ihnen?
Ich vermute, dass den Jüngern diese Worte Jesu gutgetan haben. So wie es auch mir immer mal wieder guttut das Lied: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes, des Heiligen Geistes empfangen- und werdet meine Zeugen sein“ zu singen. Immer wenn ich es singe erinnert es mich daran: Ich darf darauf hoffen, dass Gott mir die Kraft gibt, die ich brauche. Und: Wenn ich in diesem Geist lebe, dann wird er mir helfen das Richtige zu tun und zu lassen und so wirklich zu Gottes Zeugin zu werden. Und mit Gottes Hilfe kann dies gelingen.
Vor allem in Situationen, in denen so vieles unsicher und verwirrend ist wie im Moment wünsche ich mir manchmal, dass Gottes Geist mich leitet, dass er in mir ist. Und nicht irgendein anderer Geist.
Vielleicht ging es den Jüngern ähnlich wie mir und sie freuten sie sich über diese Zusage, wussten allerdings nicht so recht, wann, wo und wie der Geist Gottes sie erfüllen wird. Und so gingen sie zunächst zur Tagesordnung über. Versuchten nach bestem Wissen und Gewissen das zu tun, was wohl im Sinne Gottes ist und im Moment „dran“ war. Bei ihnen hieß dies konkret: Sie gingen zurück nach Jerusalem und suchten einen Nachfolger für Judas. Als sie sich kurz darauf wieder einmal versammelt hatten da geschah folgendes:

Apostelgeschichte 2,1-13:
„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an "einem" Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.
Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.“

Und da war er plötzlich: dieser Geist Gottes.
Können Sie sich vorstellen, was damals geschah? Mir fällt dies nicht ganz so leicht. Irgendwie habe ich beim Lesen und Hören dieses Textes immer das Gefühl: Hier versucht jemand etwas in Worte zu fassen, das nicht in Worte gefasst werden kann.
Hauch, Wind Sturm.... Feuerzungen, die sich auf die Anwesenden setzen. Und keiner kam dabei zu schaden- aber bei allen hat das Geschehen etwas bewirkt.

Auch im Lied: „Wo Drachen fliegen, weht der Wind“ von Wolfgang Bromme -man findet es in unserem neuen Gesangbuch - wird die Wirkung des Heiligen Geistes mit dem Wind verglichen.
Dort heißt es:

Wo Drachen fliegen, weht der Wind.
Du sieht es, und du weißt:
Der Wind ist selber unsichtbar.
Man sieht nur, was durch ihn geschah;
so wie bei Gottes Geist.

Was damals geschah, das wird in der Pfingstgeschichte berichtet. Die Jünger und die Menschen, die sich mit ihnen gemeinsam dort in Jerusalem versammelt hatten, die hatten plötzlich den Mut von Jesus zu erzählen. Und nicht nur das: Alle verstanden was sie sagten!
Ich finde, dies ist ein sehr schöner Gedanken: Dort wo der Geist Gottes weht, da verstehen die Menschen, was Gott ihnen sagen will. Was er ihnen zu geben hat.
Zwar glauben es nicht alle- und manche halten das, was sie da zu hören bekommen für verrückt.
Aber manche verstehen´s- und werden dadurch zu einer ganz eigenen Gemeinschaft.
Und dies ist wichtig, wenn man in dieser Welt etwas bewegen will.
Dieser Gedanke wird auch in dem Freiheits- und Einheitsdenkmal sichtbar, das auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem künftigen Humboldt Forum gebaut wird und dessen Bau nach langem Hin und her in diesen Tagen begonnen hat. Dieses Denkmal ist eine riesige begehbare Waage, die an die friedliche Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern soll. Beim Begehen dieses 50 mal 18 Meter großen Denkmals müssen sich die Besucher, wie die Menschen damals bei der friedlichen Revolution von 1989, verständigen und zu gemeinsamem Handeln entschließen, um etwas zu bewegen. Denn nur wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens 20 Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, beginnt sich die Schale langsam und sanft zu neigen und neue Perspektiven öffnen sich. Und die Architekten, die dieses Denkmal entworfen haben hoffen, dass es den Besuchern möglich ist sich selbst über Sprachgrenzen hinweg zu verständigen.
Damals in Jerusalem, da hat der Heilige Geist bewirkt, dass sich Menschen über Sprachgrenzen hinweg verständigen konnten. Denn die Kraft des Geistes Gottes kann dies bewirken.

Dass diese Kraft viel bewegen kann, davon erzählen die folgenden Strophen des Pfingstliedes: „Wo Drachen fliegen weht der Wind“.

Die Kraft des Windes über dir,
sie trägt den Drachen weit.
Und Geisteskraft in dieser Welt,
in die Gott seine Kirche stellt,
bewegt auch unsere Zeit.

Als Jesus Freunde sich verkrochen
einst hinter Tür und Wand,
ging Windesbrausen durch das Haus.
Sie fassten Mut und zogen aus
 - mit Glauben und Verstand.

Und das Lied fährt fort:

Die Pfingstgeschichte wird erzählt,
seit damals Jahr um Jahr.
Verzagten macht sie neuen Mut,
denn Gottes Wort tut ihnen gut.
Sie spüren: es ist wahr.

Wo Gottes Geist auf Erden weht,
da atmen Menschen auf,
weil diese unsichtbare Kraft
durch Glaubenstiefe Freiheit schafft,
im eignen Lebenslauf.

Diese Freiheit haben die Menschen damals erlebt. Plötzlich waren sie frei genug um zu reden. Um zu Zeugen und Zeuginnen zu werden, wie Jesus ihnen dies versprochen hat.
Karl Barth schrieb einmal: 
Es geht in der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten um eine Bewegung – pneuma heißt Wind – von Christus zum Menschen hin.“ Und: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Will man das Geheimnis des Heiligen Geistes umschreiben, so wählt man am besten diesen Begriff. Den Geist empfangen, den Geist haben, im Geist leben, das heißt befreit sein und in der Freiheit leben dürfen. …
Bischof Juli schrieb in seiner Pfingstbotschaft: „
An diesem Pfingstfest treffen wir in unserem Land auf eine Situation der gesellschaftlichen Verunsicherung, der Suche nach Orientierung und Wahrheit. Die Corona-Krise hat ein breites Spektrum von Meinungen und persönlichem Verhalten wie unter einem Brennglas ans Licht gebracht. Da sehe ich große Solidarität und Gemeinsinn, aber auch Egoismus und Rücksichtslosigkeit. Viele sind in ihrem Reden um wahrheitsgemäße Aufklärung bemüht und wägen verschiedene Gesichtspunkte miteinander ab. Andere glauben und verbreiten Verschwörungsmythen und sogar aufstachelnden Hass.
Es ist ganz menschlich, dass Geduld weniger wird und die Zustimmung zu angeordneten Maßnahmen nachlässt. Für mich bricht an dieser Stelle die Frage nach persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Verantwortung aufs Neue auf. Gefolgt von der Frage, woher wir Kraft und Überzeugung nehmen, um die Situation zum Guten zu wenden.“
Und er meint: „Pfingsten ist dringend notwendig.“
Auch wenn wir kein Pfingstwunder produzieren können, meint er, so können wir doch um „Geistesgegenwart“ beten und versuchen, geistesgegenwärtig zu sprechen und zu handeln. „Damit“, so schreibt er, meine ich: „Geistesgegenwärtig denen deutlich zu widersprechen, die kein Interesse an Verständigung haben, sondern eine Lust am Aufreißen von Gräben. Und denen deutlich zu widersprechen, denen der Rest der Welt egal ist und die sich nicht um die Menschen in anderen Ländern kümmern wollen. Genauso wie denen, die die Sprache der Menschenwürde und des Friedensstiftens als naive Dialekte abtun wollen. Und nicht zuletzt denen, die ihre eigene Freiheit auf Kosten anderer durchsetzen wollen.“
Und ich ergänze: Diese Geistesgegenwart Gottes kann uns nicht nur dabei helfen geistesgegenwärtig zu widersprechen, sondern auch: Geistesgegenwärtig zu tun, was im Sinne Gottes ist.
Leider gelingt dies nicht immer. Auch dies erleben wir im Moment immer wieder in unserem eigenen Leben, bei anderen und auch in unserer Kirche. Aber im Wissen, dass Gott uns seinen Geist zugesagt hat, sollten wir uns nicht entmutigen lassen.

Nicht umsonst endet das Lied von Wolfgang Bromme mit den Worten:

Wenn gar kein Wind am Himmel weht,
dann ruhen Drachen still.
Nun warte ab, es kommt die Zeit.
Und wenn sie da ist sei bereit.
Der Wind weht wo er will.

Sei bereit und lass dich nicht entmutigen, denn nicht nur den Menschen damals, sondern auch uns heute gilt das Versprechen von Jesus: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein - meine Zeugen - meine Zeugen sein.

Amen.

Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten: Von der Sehnsucht nach Gott (Predigt von Pfarrerin B. Braun am 24.5.2020)

 

Sehnen Sie sich in letzter Zeit auch des Öfteren danach, dass all dies, was diese Coronapandemie so mit sich bringt, endlich ein Ende hat? Sehnen Sie sich auch danach, dass Sie wieder andere besuchen oder treffen können, ohne sich fragen zu müssen: ist das ok - oder birgt dieser Besuch irgendwelche Gefahren für mich - oder noch schlimmer: für die anderen? Sehnen Sie sich auch danach, frei zu sein und nicht ständig wieder irgendwo auf irgendwelche Vorschriften zu stoßen, die es noch nie gab und die es vielleicht in einer Stunde schon wieder nicht mehr gibt, die im Moment aber einfach gelten und nach denen man sich richten sollte? Sehnen Sie sich auch nach etwas mehr „Normalität“, Selbstbestimmtheit und Gewissheit im Blick auf das, was kommt....ich weiß nicht, wie es Ihnen geht.  Ich zumindest sehne mich manchmal danach, dass dieser „CoronaSpuk“ endlich vorbei ist.
Immer wieder kommt mir in letzter Zeit das Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns in den Sinn. Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich es vor mich hinsumme.

Text des Liedes:
Refrain:
Da wohnt ein Sehnen tief in uns, ohn Gott, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen ist ein Durst nach Glück, nach liebe, wie nur du sie gibst.

Strophen:
1.) Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz, sei da sei uns nahe Gott.
Refrain

2) Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht, sei da sei uns nahe Gott. Refrain

3) Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wird. In Krankheit, im Tod, sei da sei uns nahe Gott.
Refrain

4) Dass du Gott, das Sehnen, den Durst stillst bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da sei uns nahe Gott. Refrain

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, oh Gott, nach dir, dich zu sehn dir nah zu sein,“ mit diesen Worten beginnt dieses Lied. „Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe wie nur du sie gibst.“
Warum spricht dieses Lied nicht nur mich, sondern viele Menschen, die ich kenne in besonderer Weise an?
Klar da ist die Melodie, die einem schnell vertraut vorkommt, die es auf der eine Seite schafft, dass man sich den Wiederholungen gerne anvertraut und auf der anderen Seite nie langweilig wird. Denn in ihr ist auf der einen Seite die Sehnsucht zu spüren, von der Text des Liedes handelt und zugleich löst sich diese Sehnsuchtsspannung immer wieder auf und das Lied lädt zum Innehalten ein, zum Ausruhen im Wissen, dass es gut tut Gott nah zu sein, dass es Dinge gibt, die nur er uns gibt.
„Sei da, sei uns nahe Gott“, mit dieser Bitte, in die ich immer wieder gerne einstimme, endet jede Strophe.
Aber auch wenn ich in dies Bitte gerne einstimme, so frage ich mich doch manchmal: Sehne ich mich eigentlich wirklich nach Gott?
Und ich möchte auch Sie fragen: Sehnen Sie sich nach Gott? Oder sehnen sie sich im Moment nach ganz anderen Dingen. Sehnen Sie sich, wie ich, eher nach all den Dingen, um die wir Gott in diesem Lied bitten?
Frieden, Freiheit und Hoffnung - das sind wertvolle Dinge im Leben. Ohne sie könnte ich mir ein Leben schwer vorstellen. Und es fällt mir im Moment schwer zu akzeptieren, dass unsere Freiheit so eingeschränkt ist und zugleich weiß ich, dass das so sein muss und ich hoffe, dass diese Einschränkungen den Frieden nicht gefährden.  Auch in die Bitten um Einsicht, Beherztheit und Beistand kann ich mit ganzem Herzen einstimmen. Denn all dies brauchen wir ja im Moment in besonderer Weise. Immer wieder werden wir herausgefordert Dinge einzusehen, beherzt das eine oder andere in enger Abstimmung mit anderen umzusetzen oder wieder neu zu überdenken um wieder zu anderen Einsichten zu gelangen. Dabei ist es ganz wichtig, dass wir einander beistehen, den anderen, was er denkt, fühlt, braucht in guter Weise im Blick haben, denn sonst ist der Friede gefährdet. Und ich bitte Gott immer mal wieder: Steh du uns in dieser Situation bei. Denn wir brauchen dich!
Heilung, Ganzsein und Zukunft: all dies gilt es im Auge zu behalten, wenn wir entscheiden, was es zu tun gilt. Oder was wir lassen sollen.
Um all diese Dinge bitten wir Gott, wenn wir dieses Lied singen.
All diese Dinge sind wichtig. Und im Moment erleben wir in besonderem Maße, dass es alles andere als selbstverständlich ist, dass all dies zu unserem Leben dazugehören.
Die Sehnsucht lässt uns merken, was alles nicht so ist, wie es sein könnte. Das schmerzt auf der einen Seite. Aber auf der anderen Seite steckt in dieser Sehnsucht auch eine Energie, die uns bewegen, motivieren kann: Sie lässt uns ahnen, was in unserem Leben wirklich wichtig ist. Sie lässt uns ahnen was möglich ist, lässt uns träumen und steckt hinter dem einen oder anderen, wofür wir uns einsetzen.
Sehnen. Wünschen.... Nelly Sachs schrieb einmal: „Alles beginnt mit der Sehnsucht.“ Ob sie damit recht hat? Ich weiß es nicht - ich weiß nur, dass die Sehnsucht ein wichtiger Motor unseres Lebens ist. Und ich weiß auch: Wer keine Sehnsucht mehr spürt, keine Wünsche, keine Träume mehr hat, dem fehlt Wesentliches im Leben.
Das Schöne an diesem Lied ist, dass hier durchschimmert, dass unser Sehnen nach all diesen Dingen, die im Leben so wichtig sind, sehr eng mit der Sehnsucht nach Gott verbunden ist. Wenn ich den Text lese oder singe werde ich herausgefordert über dieses Sehnen nach Gott nachzudenken. Und darüber, wie das nun eigentlich ist- das mit dem Sehnen nach Gott. Das Lied macht deutlich: Auch wenn  wir dieses Sehnen nicht immer spüren- es ist da. Und es hat viel mit uns und unserem Leben zu tun- mit uns und unserem Durst nach Glück.
Wir erleben es ja -Gott sei Dank-manchmal, dass der Durst nach Glück gestillt wird. Wir erleben manchmal Momente, in denen einfach „alles stimmt“. In denen wir z.B. mit uns selbst im Reinen sind- oder uns eine Begegnung mit anderen glückt, oder wir uns einfach nur wohlfühlen, uns das Herz aufgeht, weil´s gerade hier so schön ist, oder aber auch, weil wir uns Gott nahe fühlen.
Das Lied singt davon, dass Gott sehr viel damit zu tun hat, dass solche Momente gelingen können, dass es solche Momente gibt. Wohl wissend, dass gelinge Beziehungen unser Leben lebenswert machen singt es davon, dass es da diese eine Beziehung gibt, die Liebe auf eine Weise gibt, wie wir sie sonst nicht erleben können. Und diese Liebe strahlt aus - auf uns und in unserem Leben.
Ich denke es stimmt, dass die Gottes Liebe eine besondere ist. Denn zum einen kommt Gott immer wieder auf uns zu. Und zum anderen ist seine Liebe an keine Bedingungen geknüpft, sie ist von keinen Launen abhängig und seine Beziehungstreue ist durch nichts zu erschüttern. Zwar bin ich ihm nicht immer so nahe, wie ich dies manchmal gerne wäre - und dies liegt nicht nur an mir. Denn Gott kann auch mal ein ferner Gott sein. Gott ist immer auch der ganz andere, und bleibt wohl auch immer ein Geheimnis. Aber seine Liebe ist trotzdem da und ich glaube dies spürt man auch durch diese Sehnsucht, die in uns steckt. Diese Sehnsucht nach ihm, dieses innere Wissen, dass es da diese Nähe gibt, diese Nähe geben kann - die ist da, die bleibt. Gott sei Dank. Die Halt gibt, die uns lieben lässt. Uns beim Leben hilft.
Die Sehnsucht danach Gott zu sehen wird nie ganz erfüllt werden, aber manchmal erhaschen wir einen  kurzen Blick auf das, was Gott alles ist, was er alles sein kann. Wie gut, dass es Menschen gibt, die uns von solchen Begegnungen erzählt haben. Wie z.B. Mose, zu dem Gott damals am Dornbusch sagte: „Ich bin der ich bin. Ich bin der ich bin da.“ Und der mit dazu beigetragen hat, dass wir glauben dürfen, dass Gott da ist und ihn in unserem Lied bitten: „Sei da, sei uns nahe Gott.“ Oder Jesus, von dem wir sehr viel über Gott und darüber, was er von und für uns will wissen.
Es ist schon etwas Besonderes, diese Sehnsucht nach Gott und diese Liebe, die nur er uns gibt. Denn in dieser Sehnsucht steckt so viel Leben. Und ich hoffe, dass diese Sehnsucht immer wieder spürbar wird und bleibt und dass wir gemeinsam- und im Vertrauen darauf, dass Gott uns nahe ist und uns nahe bleibt – erleben können, wie aus dieser Sehnsucht Energie, Kraft, Einsatzfreude und Hoffnung entsteht, Hoffnung die die Welt verändert. Amen.

 

 

Predigt zum „Vater Unser“ von B. Braun. Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

So sollt ihr beten: Vater Unser im Himmel,
dein Name werde geheiligt,
dein Reich komme, die Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erde.
Unser tägliches Brot gib uns heute
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen,
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Wie oft haben Sie dieses Gebet schon gebetet?
Unzählige Male vermutlich. Viele lernen es als Kind kennen, wer Konfirmandenunterricht hatte lernt es spätestens in dieser Zeit auswendig, weltweit ist es bekannt. In der Zwischenzeit haben diese Worte ihren festen Platz im Gedächtnis - und ich denke auch im Herzen - von vielen Menschen. In der Klinik habe ich es schon oft mit Kranken, Sterbenden oder am Bett eines Verstorbenen gesprochen und erstaunt festgestellt wie viele durch dieses Gebet ruhiger, beinahe möchte ich sagen: getröstet werden. Mehr als durch alle anderen Worte oder Gebete. Selbst kirchenferne Menschen spüren etwas von der Kraft und der Ruhe, die von diesem Gebet ausgeht und von der Hoffnung, die es birgt. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man beim Beten oder Hören, dieses Gebetes Gott und all den anderen Menschen, die dieses Gebet auch schon gebetet haben sozusagen etwas näherkommt. Und diese Nähe tut gut.
„Vater Unser, Vater im Himmel“ mit dieser Anrede beginnt Jesus sein Gebet.  Mit der Anrede „Vater“ und der ersten Bitte: „Geheiligt werde dein Name“, bringt Jesus schon gleich zu Beginn Wesentliches zur Sprache.
Gott ist- selbst wenn man ihn sich als gerechten Richter vorstellt -nahbar und ansprechbar- er ist unser Vater und hat einen Namen.
Mit der Anrede „Vater“ nimmt Jesus eine Anrede auf, die man auch im Judentum für Gott findet. So steht z.B. in Jes. 63,16: „Du bist unser Vater“ und mehrere jüdische Gebete beginnen mit dem der Anrede „avinu malkenu“-unser Vater und König. Jesus nimmt diesen Gedanken, dass Gott für uns wie ein fürsorgender Vater ist nicht nur im Vater Unser auf. Nein, auch in seinen Predigten ist dieser Gedanke zu finden.  Man denke nur an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Gott ist für uns „wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst...“ so heißt es entsprechend bis heute in unseren Kirchenliedern. Und gleich zu Beginn dieses Gebetes wird klar: er ist nicht nur „mein“ oder „dein“, er ist „unser“ Vater. Wer zu ihm betet ist hineingenommen in die Gemeinschaft mit allen anderen, die an ihn glauben, die seine Kinder sind- wer ihn anbetet ist aufgenommen in diese Gemeinschaft- mit allem, was dazugehört. Mit der Verantwortung füreinander, dem Wissen dazuzugehören, dem Streit, den es in jeder Gemeinschaft geben kann und der Versöhnung, die es braucht um beieinander zu bleiben.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Schon in diesen ersten Worten wird klar: wir wenden uns beim Beten an unseren Gott, der für uns wie ein liebender Vater sorgt und der einen Namen hat. Der Name Gottes wird hier zwar – wie im Judentum üblich- nicht genannt.  Aber dass er einen Namen hat, das wird benannt, denn wer einen Namen hat, den kann man ansprechen. Bei Menschen steht der Name für die Einzigartigkeit eines jeden. Dass jemand einen Namen hat macht deutlich, dass er nicht nur Kind seiner Eltern, Summe seiner Prägungen und seiner Erziehung oder gesellschaftlichen Zuschreibungen ist- sondern viel mehr. Er ist Mensch. Person. Einzigartig. Und immer wieder überraschend. Auch wenn man ihn nie ganz beschreiben, begreifen, erfassen wird- gibt uns der Name die Möglichkeit ihn auf ganz eigene Weise anzusprechen- ihm nahe zu sein. Entsprechendes gilt für Gott.
Aber wenn man genau hinschaut merkt man: das Vater Unser wendet sich nicht nur an Gott. In für mich faszinierender Weise bitten wir im Vater Unser auf der einen Seite zwar Gott darum, dass etwas geschieht, dass z.B. sein Name geheiligt werde, sein Reich komme, sein Wille geschehe, dass wir unser täglich Brot bekommen und so weiter- aber schon beim Aussprechen dieser Bitten wird klar: Gott kann den Bitten zwar nachkommen - sie erfüllen- aber wir sind hier mit angesprochen. Denn wir können und sollen mithelfen, dass all dies, um was wir hier bitten, in Erfüllung geht. Diese Bitten sollen zwar Gott zu etwas bewegen. Aber zugleich laden sie auch den Betenden ein sich daran zu beteiligen, dass das, worum er hier bittet auch geschehen kann. Mehr noch: durch diese Art zu beten bitten wir Gott darum, dass er uns hilft dazu beizutragen, dass das, was uns im Glauben wichtig ist auch spürbar, sichtbar, erlebbar wird.
Entsprechend schreibt Martin Luther, in seiner Erklärung zum Vater Unser z.B. bei der zweiten Bitte: Dein Reich komme.
Was ist das?
Gottes Reich kommt auch ohne unser Gebet von selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.
Wie geschieht das?
Wenn der himmlische Vater uns seinen heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und danach leben, zeitlich und dort ewig.
Es gab schon hier und da unter den Theologen die Meinung: Das das wahre und aufgeklärte Gebet könne nur ein Dankgebet sein. Zu bitten – und insbesondere die Bitten um irdische Güter - sei angesichts des ewigen Gottes und des glaubenden Menschen unangemessen.
Das Vater Unser zeigt uns: dies ist zu kurz gedacht. Es ist schon richtig, dass es wichtig ist dankbar zu sein und zu wissen, dass letztlich alles in Gottes Hand liegt.  Aber auch wenn wir dies wissen, so dürfen, ja sollen wir Gott dennoch nicht nur danken -sondern- und das macht Jesus in seinen sieben Bitten des Vater Unsers deutlich: ihn auch bitten.
Denn beim Bitten geschieht etwas anderes als beim Danken. Der Blick des Bittenden richtet sich eher nach vorn als der des Dankenden. Es lässt zu, dass wir uns nach etwas sehnen. Es fordert uns dazu heraus, dass wir etwas dazutun, dass in Erfüllung geht,  was wir uns wünschen. Zugleich lässt es uns hoffen, dass auch ohne unser Zutun so manches geschieht- manchmal sogar Wunder geschehen können.  
Dass sein Wille letztlich entscheidend ist und wir uns diesem Willen getrost anvertrauen dürfen, das ist auch dem Betenden des Vater Unsers wichtig. Wir bitten sogar darum, dass dies geschieht. Manchmal fällt es mir schwer, diese Bitte, dass Gottes Wille wie im Himmel so auf Erden geschehe, auszusprechen. Vor allem dann, wenn ich ganz andere Ideen hätte und mir das, was da gerade geschieht oder bald geschehen wird  ganz und gar nicht gefällt. Aber  wenn ich dies gesprochen habe fällt es mir danach manchmal leichter nachzugeben und geschehen zu lassen, was unvermeidlich ist. Vielleicht liegt dies mit daran, dass die zweite Hälfte dieser Bitte meinen Blick weitet und mir durch sie bewusst wird, dass es neben dem was ich so auf dieser Erde wahrnehme auch noch den Himmel gibt.
Im Vater Unser macht Jesus deutlich, dass wir Gott sehr wohl auch um „irdische Güter“, ums „tägliche Brot“ bitten dürfen, denn Gottes Reich und Herrschaft bezieht sich nicht nur auf Glauben, Liebe und Hoffnung, sondern bezieht auch das Materielle und zum leiblichen Leben notwendige mit ein. Es gab ein paar Theologen, die haben versucht diese Bitte spirituell umzudeuten. Das tägliche Brot sei die tägliche Nähe zu Gott, die wir zum Leben brauchen meinten die einen. Andere haben diese Bitte sogar eucharistisch umgedeutet. Für sie bedeutete diese Bitte, dass wir Gott darum bitten sollen, dass er uns in Brot und Wein täglich nahe sei. Aber all dies geht glaube ich an der Intention von Jesus Christus vorbei. Ihm war nicht nur die Seele, sondern auch das leibliche Wohl der Menschen wichtig. Man denke hier an all die Heilungsgeschichten oder an das Wunder der Brotvermehrung oder aber auch an die Verwandlung des Wassers zu Wein bei der Hochzeit zu Kanaan. Jesus hatte den ganzen Menschen im Blick. Martin Luther hat dies verstanden und so schrieb in seinem kleinen Katechismus:
Was heißt denn täglich Brot?
Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, gute Nachbarn und desgleichen.
Mit Danksagung sollen wir empfangen, was wir haben meinte Martin Luther dazu. Und ich ergänze- und wenn wir dies für uns alle erbitten, dann sind wir zugleich zum Teilen und Helfen aufgefordert, damit viele erleben können, was Gott uns alles schenkt.  
Dass wir dazu beitragen sollen, dass in Erfüllung gehen kann um was wir im Vater Unser bitten, dies gilt auch für die Bitten um Vergebung und um Erlösung von dem Bösen. Auch hier können wir darauf hoffen, dass Gott uns dies schenkt und zugleich dazu beitragen, dass andere erleben können, dass diese beiden Bitten in Erfüllung gehen.
Liebe Gemeinde,
die 7 Bitten des Vater Unsers haben es echt in sich- denn sie zeigen viel von dem auf, was das Leben als Christ, als Christin ausmacht, was Gott uns geben kann und auch, was wir einander geben können - sollen. Es fasziniert mich immer wieder von Neuem, dass dieses Gebet, das nicht nur Gott, sondern auch mich selbst ganz schön herausfordert, mit den Worten endet: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ Denn bei all den Herausforderungen, die im Vater unser verborgen liegenführt mir dieses Ende des Gebetes vor Augen, dass ich zwar vieles tun kann und soll, dass es aber letztlich Gott ist, in dessen Hände alles liegt- von nun an bis in Ewigkeit. Und das ist gut so. Amen.

 

Predigt zum Gottesdienst an Kantate 2020 (B. Braun)

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne, den Klang hast du mir gegeben
von Wachsen und Werden, von Himmel und Erde,
du Quelle des Lebens, dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Den Rhythmus, den Schwung hast du mir gegeben
von deiner Geschichte, in die du uns mitnimmst,
du Hüter des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in Ihm klingt mein Leben.
Die Tonart, den Takt hast du mir gegeben
von Nähe, die heil macht – wir können dich finden,
du Wunder des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Höhen, die Tiefen hast du mir gegeben.
Du hältst uns zusammen trotz Streit und Verletzung,
du Freundin des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.
Die Töne den Klang hast du mir gegeben
von Zeichen der Hoffnung auf steinigen Wegen
du Zukunft des Lebens. Dir sing ich mein Lied.

Viele von Ihnen kennen dieses beschwingte Lied, das so voller Leben von der Fülle des Lebens und von der Vielfältigkeit Gottes singt. „Ich sing dir mein Lied“. so beginnt der Text von Fritz Baltruweit und Barbara Hustedt. „Ich sing dir mein Lied, in ihm klingt mein Leben.“ Du, Gott hast mir dieses Leben gegeben, mit allen Facetten des Lebens, die so vielseitig und vielschichtig sind wie ein jedes Lied!
Da sind der Töne und der Klang. Auch der Rhythmus des Liedes und der Schwung, mit dem es vorgetragen wird; die Tonart und der Takt; auch die Höhen und Tiefen gehören bei den Liedern dazu - genau wie im Leben. Und natürlich die Töne und der Klang. Obwohl es in unserem Tonsystem nur 12 verschiedene Töne gibt, kann man aus ihnen unendlich viele Melodien und ganz unterschiedliche Klänge kreieren. Der Text, den manche von uns heute so gerne mitsingen würden, den wir aber wegen der Coronaverordnungen nicht mitsingen dürfen, ist nur eines der Elemente im Zusammenspiel all dessen, was so ein Lied ausmacht.
Der Text dieses Liedes erzählt davon, dass das Leben so vielseitig und vielschichtig ist wie die Lieder. Jedem Leben wird hier ein Lebenslied zugeordnet. Ob damit wohl ein Lied gemeint ist, der dem Sänger, der Sängerin  besonders am Herzen liegt und aus dem Herzen spricht? Oder ein Lied, das diesem Leben entspringt, eines das nur der singen kann, der dieses Leben lebt bleibt offen. Sicher ist jedoch: der Ton, der Klang, der Schwung eines jeden, einer jeden von uns ist zu unterschiedlichen Zeiten ganz verschieden. Mit dem Lebenslied des einen anderen harmonieren wir besser als mit dem eines anderen. Manchmal schwingt man gerne eine Weile im Rhythmus einer anderen mit, aber manchmal wundert man sich auch über die Taktlosigkeit des einen oder anderen. Aber auch das kann sich ändern, denn ständig geschieht Neues– und das nicht nur seit dem März dieses Jahres. Höhen und Tiefen gehören zu unserem Lebenslied einfach mit dazu.
So unterschiedlich wir auch sind, eines gilt immer: Jeder von uns hat sein ganz eigenes Lied.
„Dir (Gott) sing ich mein Lied“, so heißt es in unserem Lied. Ich singe nicht einfach so für mich, oder für andere. Du, Gott, hast mir all das gegeben, was mein Leben ausmacht. Im Wissen, dass ich sehr wohl dazu beitragen kann, wie mein Lied ausfällt, möchte ich, dass deine Geschichte, in die du mich mitnimmst, deine heilmachende Nähe, die Hoffnung, die von dir ausgeht, in meiner Lebensmelodie immer wieder durchscheint. Dir, Gott, der du Quelle, Hüter, Wunder, Freundin und Zukunft des Lebens bist, sing ich mein Lied.  
Als ich das Lied vor vielen Jahren kennenlernte, habe ich es in spanischer Sprache gehört und lieben gelernt. Die erste Strophe des Liedes, das ursprünglich aus Brasilien stammt, besteht ist nur aus einem Satz, der immer wiederholt wird: „Cantad al Señor un cántico nuevo.“ Auf deutsch: Singt dem Herrn ein neues Lied.“ Und auch wenn ich den Text von Fritz Baltruweit und Barbara Hustedt sehr schätze, so liebe ich dennoch nach wie vor diese schlichte Version, denn sie fordert mich heraus. Ein neues Lied soll ich dem Herrn singen. Diese Aufforderung macht mich darauf aufmerksam: Es hat zwar schon auch was, wenn man sozusagen seine Lieblingslieder bzw. seinen ganz eigenen Ton gefunden hat, aber da fehlt dann oft auch etwas. Dies macht die folgende Geschichte deutlich: „Ein Mann spielte täglich und ausdauernd auf seinem Cello. Er spielt immer einen wundervollen, warmen Ton, aber halt nur einen Ton. Seine Frau freute sich an seinem Spiel. Aber eines Tages wies sie ihn vorsichtig darauf hin, dass andere Cellisten viele Töne auf 4 Saiten spielen können und fragte ihn, ob er nicht auch Lust darauf hätte, es denen gleich zu tun. Darauf der Cellist: „Die müssen leider ihren Ton noch suchen. Ich habe meinen Ton gefunden!“
Ob das die Antwort war, die die Frau hören wollte? Vermutlich nicht. Vermutlich hätte sie sich darüber gefreut, wenn ihr Mann mit seinem Spiel etwas Abwechslung in ihrer beider Leben gebracht hätte. Wenn er beim Spielen nicht nur an sich selbst gedacht hätte, sondern auch an sie. Es hat schon was, wenn man sozusagen seinen eigenen Ton gefunden hat. Aber was wir „spielen“, wirkt sich auch auf andere aus. Und die Gefahr, dass das, was man von sich gibt, zu einer alten Leier wird, ist groß, wenn man nicht mehr offen ist für Veränderung oder für das, was anderen guttut.
Fritz Baltruweit und Barbara Husted besingen in ihrem Lied die Vielfalt des Lebens. Und der spanische Text fordert uns dazu auf: Nimm diese Vielfalt des Lebens, nimm die Veränderungen im Leben wahr und beziehe sie in dein Lied, in dein Lebenslied ein. Bleib offen für den Geist Gottes, der auch im größten Chacos wirkt und Dinge bewirkt, die es wert sind, dass wir sie in unser Lebenslied mit einbeziehen. Bleib offen für Neues, für neue Lieder! Dies tut dir gut und den Menschen, mit denen du es zu tun hast auch. Und ich vermute, wo dies gelingt da geht es uns, wie vielen Menschen vor uns: Wir merken, wieviel Grund wir haben Gott zu loben - und wie gut es uns tut, dies zu tun.
Hineingenommen in die Geschichte, in die Gott uns mitnimmt, gilt es immer wieder neu herauszufinden, welche Töne im Moment die richtigen sind. Gott soll die Richtschnur eures Lebensliedes sein - stimmt nicht ein in das Lied derer ein, die sich von anderem leiten lassen, oder gar Lügen verbreiten, so heißt es im Psalm 40.
Manchmal ist es gar nicht so einfach zu unterscheiden, was denn nun im Sinne Gottes ist und was nicht. Das erleben wir ja gerade in ganz besonderem Maße. Ständig muss man überlegen: Ist das, was ich jetzt denke oder tue, richtig und gut für mich und für die anderen? Alle, die im Moment Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen müssen, kämpfen täglich, stündlich  mit diesem Problem. Aber auch alle anderen haben dieses Problem. Vieles ist nicht mehr selbstverständlich. Ständig gibt es neue, teils widersprüchliche Infos und wir haben im Moment leider nicht die Möglichkeit, uns in der gewohnten Weise auszutauschen. Oft bleibt nur das Telefon oder eine Videokonferenz oder ähnliches, wenn man wissen will, was andere so denken, oder wie es ihnen geht. Dieses ständig neu überdenken, neu entscheiden um dann unter Umständen die eigene Entscheidung gleich wieder verwerfen zu müssen - diese Ungewissheit ist im Moment für Viele sehr anstrengend. Und aus den unterschiedlichsten Gründen ist manch einem gar nicht zum Singen zumute. Schon gar nicht zum Singen eines neuen Liedes, denn im Moment ist so viel neu.
Aber auch, wenn uns manchmal gerade nicht nach singen zumute ist und auch wenn wir im Moment im Gottesdienst nicht gemeinsam singen dürfen, so bleibt die Musik doch ein wichtiges Element unseres Lebens. Wir haben es ja in letzter Zeit immer mal wieder erlebt, wie gut es Menschen in Krisenzeiten tun kann zu singen. Schon vor Wochen hat man in Italien damit begonnen, gemeinsam von den Balkonen gegen das Virus anzusingen, bzw. Musik als Zeichen der Solidarität zu spielen. Und diese Idee hat überall Schule gemacht. Auch in Deutschland gab es viele Initiatoren, die zum gemeinsamen Singen und Musizieren aufgerufen haben. Manche haben es aufgenommen, um es entweder live oder später zusammenzuführen. Ich fand es faszinierend, welche Ideen da plötzlich entstanden. Und war, ehrlich gesagt, auch manchmal fasziniert von der Liedauswahl. So hat es mich z.B. gefreut, dass auch von nichtkirchlicher Seite teils Lieder aus unserem Gesangbuch gewählt wurden, wie z.B. „Von guten Mächten wunderbar geborgen“.
Manche mögen solche Aktionen seltsam oder gar blöd gefunden haben. Das darf so sein. Anderen hat es gutgetan. Und ich habe mich darüber gefreut, dass da Menschen waren, die Ideen hatten, die manch einem gut getan haben und viele spüren ließen: Ich bin nicht allein.
Dass wir nicht allein sind, das spüren wir auch, wenn wir Gott unser Lied singen, sei dies nun ein altes, wohlvertrautes, ein neues oder gar unser Lebenslied. Amen.

 

Ostern 2020

Osterglocken

 

 

Osterglocken sind jedes Jahr wieder ein Zeichen des neu aufblühenden Lebens. Manche sagen sogar, sie sind ein Zeichen für die Auferstehung. Denn auch sie waren lange Zeit „tot“ und „erwachen“ dann wieder und leben.
Wir hoffen, Sie haben Ihre Freude an den Osterglocken dieses Ostergrußes!

 

 

                             

„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“

Auch wenn Ostern dieses Jahr ganz anders ist als in all den Jahren davor, die Botschaft von Ostern ist dieselbe: „Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Was damals wohl genau geschah? Keiner kann dies mit Sicherheit sagen. Schon damals konnten manche dies nicht so recht glauben. Jesus lebt?! Und andere bezeugten es.

Aber auch wenn das, was damals geschah letztlich, immer ein stückweit auch ein „Geheimnis“ bleiben wird, eines ist sicher: die Botschaft, dass es immer ein „Danach“ gibt, dass letztlich das Leben siegt, dass das, was schwer und schmerzlich war, mit Gottes Hilfe überwunden werden kann, diese Botschaft ist gilt bis heute.

Dies glauben, darauf hoffen zu dürfen, tut gut. Auch und gerade in Zeiten, wie dieser.

Und so grüßen wir Sie von Herzen und wünschen Ihnen: Frohe Ostern!

Ihr KGR-Team mit Pfarrerin B. Braun

 

 

Karfreitag 2020

Stacheldrahtrose (H. Wieland)

Leid

manchmal muss man es lange aushalten

der Kopf hängt

die Schultern tun weh

alles schmerzt!


Leid

wenn man so drinhängt sieht man oft gar nicht,

was da am Rande des Leids so alles wächst

 „Stacheldrahtrosen“.

Ihre Stacheln sind nicht ohne!

Aber als ein Besucher unserer Kirche am Gründonnerstagabend dieses Kreuz betrachtet meinte er:  

„Vielleicht wächst im Leid manchmal auch was Neues,

 etwas das man zunächst gar nicht so sieht,

z.B. eine neue Erkenntnis,

oder eine neue Sicht der Dinge,

oder anderes,

wer weiß.“

 

Leid

Jesus hat es erlebt

Am eigenen Leib. 

Er kennt das Leid.

Weiß, wie´s uns geht, wenn wir leiden.

Ist mit dabei.

Wir sind nicht allein.

Er ist da.

Auch und gerade im Leid.

Auch diese Erkenntnis wächst uns zu,

wenn wir das Geschehen an Karfreitag vor Augen haben.

„Stacheldrahtrosen“.

Amen.

Text: Birgit Braun

 

 

Karfreitag 2020

Hufnagelobjekt H. Wieland

„Es ist vollbracht!“

 

Da stieß Jesus einen lauten Schrei aus und verschied.

Und der Vorhang im Tempel riss entzwei von oben bis unten.

Als der Hauptmann, der ihm gegenüberstand, ihn so sterben sah, sagte er:

„Ja, dieser Mensch war wirklich Gottes Sohn!“

 

 

„Es ist vollbracht!“


Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott!

Du hast das „Deine“ vollbracht!

Hilf uns das „Unsre“ zu vollbringen!!

Amen.

  Text: Birgit Braun

 

Blick über den Breitenauer See nach Weiler und Eichelberg

© R.Schwenzfeger